Eobanus-Hessus-Schreibwettbewerb www.hessus.eburg.de

Helius Eobanus Hessus

Eobanus Hessus (1488-1540) war eines der erstaunlichsten poetischen Naturtalente des deutschen Humanismus. 1504 an der Erfurter Universität immatrikuliert, fand der junge Poet im Kreise Gleichgesinnter seine geistige Heimat. Der “Hessische Knabe” wurde zum Stolz der Dichtkunst. Aufgenommen und gefördert im Kreis der ersten Generation der Humanisten um Nicolaus Marschalk und Conradus Mutianus, entwickelte Hessus Persönlichkeit und Individualität. Begleitet von liebevoller Kritik erblühte in der Erfurter Poetenschule sein literarisches Talent, seine angeborene Begabung, Wortfülle und grazile Sprache. Alsbald als Dichter verehrt und gefeiert, verkörperte er ein Stück europäischer Identitätsgeschichte. Indem Hessus als Universitätsprofessor für klassische Sprache, Poesie und Rhetorik 1517 dann im zweiten Mutianischen Kreis die führenden Repräsentanten des Erfurter Humanismus in der Erfurter Engelsburg um sich versammelte und sich in seinen Werken auch politischen Themen zuwandte, trat er gemeinsam mit Ulrich von Hutten gewissermaßen an die Spitze der nationalen Richtung innerhalb des deutschen Humanismus.

Den “Reuchlinschen Streit”, den Höhepunkt des geistigen Machtkampfes zwischen Scholastik und Humanismus, empfanden die Erfurter Humanisten als Angriff gegen alle Freunde der Wissenschaft. In den “Epistolae obscurorum virorum”(“Dunkelmännerbriefe”) geißelten humanistische Autoren mit unvergleichlichem Spott Dummheit, Unbildung und Heuchelei, gaben Pfaffentum wie Mönche der Lächerlichkeit preis und versetzten die gelehrte Welt Europas in helle Aufregung. Wichtige Indizien legen die Beteiligung solcher jungen Humanisten wie Crotus Rubianus, Eobanus Hessus, Ulrich von Hutten und Peter Eberbach am verfassen dieser unübertroffenen Satire des 16. Jahrhunderts nahe. Kritische Auseinandersetzungen zwischen altem und neuen Denken, der Gegensatz zwischen Aberglaube und Wissenschaft sowie Pflege der Sprache charakterisierte das Streben der Humanisten. In Ihrem Ringen um religiöse Toleranz, für die unantastbare Würde des Menschen, um Vernunft und humanistische Bildung und in ihrem Streben nach individueller Freiheit liegen die Wurzeln unseres heutigen Wertekanons. Eobanus Hessus war ein Meister der Sprachkunst. Seine umfassende Bildung war Voraussetzung dafür, seine Gedanken und Sichtweisen ausdrücken zu können. Seine Sprachmacht ermöglichte es ihm, seinen Lesern ein Bild vom Glück der individuellen Selbstbestimmung, der Schönheit des Lebens, von Liebe, Lust, Gerechtigkeit und Frieden zu zeichnen. Hessus verbindet ursprüngliche Kraft und Fülle der Empfindung und des Ausdrucks mit Gelehrsamkeit. Er ergreift engagiert das Wort für seine Wertvorstellungen und vermittelt so den Geist für gesellschaftliche Veränderungen.